gibt es gott?

Gibt es einen Gott oder auch mehrere Götter? Diese Frage ist alt. Antworten darauf gehen zum einen in die religiöse und theologische Richtung. Diese Antworten bejahen die Frage auf verschiedene Weise.

Die andere Richtung des Antwortens ist die agnostische oder atheistische Richtung. Hier wird festgestellt, dass wir über Gott und seine Existenz nichts wissen können (Agnostizismus) oder, das ist die atheistische Variante, dass wir mit hoher Sicherheit wissen, dass es Gott nicht gibt.

Russells chinesische Teekanne wird gerne zitiert um das agnostische Theorem zu entkräften und dem Atheismus das Wort zu reden.

Many orthodox people speak as though it were the business of sceptics to disprove received dogmas rather than of dogmatists to prove them. This is, of course, a mistake. If I were to suggest that between the Earth and Mars there is a china teapot revolving about the sun in an elliptical orbit, nobody would be able to disprove my assertion provided I were careful to add that the teapot is too small to be revealed even by our most powerful telescopes. But if I were to go on to say that, since my assertion cannot be disproved, it is intolerable presumption on the part of human reason to doubt it, I should rightly be thought to be talking nonsense. If, however, the existence of such a teapot were affirmed in ancient books, taught as the sacred truth every Sunday, and instilled into the minds of children at school, hesitation to believe in its existence would become a mark of eccentricity and entitle the doubter to the attentions of the psychiatrist in an enlightened age or of the Inquisitor in an earlier time.

[Bertrand Russell, „Is There a God?“ commissioned by, but never published in, Illustrated Magazine (1952: repr. The Collected Papers of Bertrand Russell, Volume 11: Last Philosophical Testament, 1943-68, ed. John G Slater and Peter Köllner (London: Routledge, 1997), pp. 543-48, quoted from S T Joshi, Atheism: A Reader]

Wir haben hier zum einen das Problem der Immunisierung einer Behauptung gegen ihre Widerlegung, gegen ihre Falsifikation (Popper). Anders gewendet ist die Behauptung, da nicht falsifizierbar, unwissenschaftlich.

Was interessanter erscheit, ist, dass die Antwort mit der Teekanne, wie auch die Frage ob Gott existiert, weit am eigentlichen Problem vorbeigehen.

Die Frage ob Gott existiert, so wie es eine Teekanne zwischen Erde und Mars gibt, macht Gott zur Sache. Diese Sache gibt es, oder auch nicht, oder mit Graden der Wahrscheinlichkeit gibt es sie nicht usw. … Und es werden mehr oder weniger schlaue Argumente in die eine oder andere Richtung ausgetauscht. Beide Richtungen sind falsch und auch Russell liegt weit daneben, ungefähr so weit wie die Erde vom Mars entfernt ist.

Die Richtung der Frage muss vielmehr auf die Bedingung von Existenz überhaupt zielen. Oder, in der Methapher der „Schöpfung“ gesprochen, ist es die Frage nach dem „Schöpfer“ von Allem und auch die Frage nach dem „Schöpfer“ von Existenz überhaupt.

Damit wäre auch die Antwort, dass die Bedingung u. a. von Existenz überhaupt selbst existiert, offenkundig zirkulär.

Die Rede, es gibt Gott, oder es gibt Gott nicht, oder wir können nicht wissen ob es Gott gibt oder nicht gibt, krankt an der Vorstellung Gott würde existieren. Dagegen sollte die Frage in die Richtung der Bedingung aller Existenz und allgemeiner in die Richtung der Bedingung von Allem überhaupt gestellt werden.

Wenn diese Richtung der Frage nach Gott verfehlt wird, kommen wir doch noch zu der Antwort, Gott sei eine chinesische Teekanne zwischen Erde und Mars.

geld der anderen

Milton Friedman hat den Ausdruck geprägt: „There´s only two kinds of money – yours and mine.“ Es gibt zwei Arten von Geld: das Eigene und das der Anderen.

Bei staatlichen Ausgaben ist es nicht nur das Geld anderer Leute, sondern diese anderen Leute sind als Steuerzahler weitgehend anonym.

Wenn ein Prokurist das Geld seines Chefs ausgibt, weiß er wessen Geld das ist. Und in diesem Fall weiß der Chef auch genau, wer sein Geld ausgibt. Der Prokurist wird also sehr bedacht und verantwortungsbewusst verfahren.

Der Steuerzahler jedoch hat wenig Informationen über die staatlichen Geldflüsse, obwohl es sein Geld ist, das fließt, über dessen Fluss aber andere entscheiden.

Die Sanktionsmöglichkeiten bei Misswirtschaft sind noch geringer als die Informationsmöglichkeiten, die Rechnungshöfe sind zahnlose Papiertiger.

gruppenselektion

In der Evolutionstheorie spielte lange Zeit lediglich die Selektion von Individuen eine Rolle. Die Selektion und Fitness von Gruppen von Individuen wurde entweder bestritten oder als wenig bedeutend eingestuft.

Eine Schwierigkeit ist die Ausschließlichkeit mit der die Evolutionsbiologie die Vererbung an das Genom koppelt. (vgl. Video von W.D. Hamilton)

Andere Infomationsträger, wie die Meme, kulturell übertragen Informationen, sollen das Konzept ergänzen. Und es wird zunehmend gesehen, dass auf allen Ebenen, von der Nukleinsäure bis hin zu Galaxienhaufen, und möglicherweise sogar ganzen Universen, im Rahmen der Theorie multipler Universen, Selektion besteht. Auf allen Ebenen überleben die besser Angepassten und vermehren sich und die anderen Einheiten verschwinden, unterliegen, sterben aus …

Das gilt bei uns Menschen auch für Gruppen wie Familien, Dörfer, Stämme, Volksgruppen, Länder, supranationale Gemeinschaften und für die Menschheit insgesamt. Aber ebenso auch für Kunstrichtungen, Freundeskreise, Betriebe …

Leider wird aus verschiedenen Gründen, besonders aber weil der Weg der Informationsvererbung unklar scheint, die Evolution auf anderen Ebenen als dem Individuum zu wenig erforscht. Die multilevel selection theory steckt noch in ihren Kinderschuhen.