Erziehung, praktische Philosophie
Wenn die deutsche Lyrik in helle und dunkle Gestalten unterteilt wird, dann geht meine Neigung zu beiden Seiten, zu Hölderlin wie auch zu Goethe, zu Rilke und auch zu Brecht. In der klassischen Philosophie allerdings faszinieren mich Πλάτων und Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος mehr als Ἀριστoτέλης und die Folgen.
Das Dunkle, das Rätsel, das Geheimnis regt zum Denken und Forschen an und ist in dieser Weise dem Klaren und endgültig Formulierten voraus.
Erziehung
Vorausgesetzt ein würdiges Ziel, ist es entscheidend, im Moment der Schwierigkeit, und der auf diesen bezogenen Schwäche, den Weg fortzusetzen.
An dieser Stelle zwischen Aufgeben und Weitermachen entscheidet sich Alles. Hier steigern sich Kräfte und Fähigkeiten oder gehen verloren.
Scheitern wäre ehrenvoll, ausweichen, schlapp machen, schändlich, Gelingen führte zum Ruhm.
Erziehung, Leben, Ökonomie
Jede Anstrengung, beim Lernen, in der Arbeit, während sportlicher Übungen, droht dann zu scheitern, wenn sich ein Widerstand zeigt. Die Überwindung würde Kraft fordern, die nicht vorhanden ist, oder die nicht investiert werden soll.
Faule Arbeiter machen ihre Sache solange es einfach läuft. Zeigen sich Schwierigkeiten, geben sie auf, führen die Sache nicht zu Ende. Sie erklären, dass es nicht geht. Eigentlich fehlt ihnen nur die Lust, sich anzustrengen, Probleme zu lösen, statt an Problemen zu scheitern.
Erziehung, praktische Philosophie
Mit dem Wissen wächst das Interesse. Wer über Zinnsoldaten nichts gelesen hat, der geht an ihnen achtlos vorbei. Wer allerdings, vielleicht aus Langeweile oder Neugier, sich Wissen über Zinnsoldaten angeeingnet hat, der bleibt vor einem Schaufenster mit diesen kleinen Figuren stehen, bewundert ihre Aufstellung in Schlachtordnungen, ihre Uniformen und Kriegsgeräte. Er zeigt Interesse und sein Wissen wächst weiter.
Muss man sich mit einem Thema beschäfigen, das nicht sonderlich interessant erscheint, sollte man sich zunächst einmal einlesen und informieren. Mit dem Wissen kommt dann das stärkere Interesse. So reift bisweilen auch beim Knien und Beten die Frömmigkeit.
Erziehung, Religion
Große Ereignisse haben ihren Nachhall. Wer die Ohren spitzt, kann noch etwas vom ursprünglichem Klang in den Schwingungen der Lüfte vernehmen. In manchen Ohren, die wie Trichter geformt sind und aufgestellt werden können, auch bei Menschen, verstärken sich diese Geräusche der fernen Vergangenheit zu klarem, deutlichem Schall.
Hört man genau hin, so ist etwas seit zweitausend Jahren überdeutlich in der Luft und verfängt sich regelmäßig in meinen Ohren. Es ist das Einschlagen der Eisennägel in das Holz durch die Hände und Füße Gottes hindurch. Davor nehme ich noch die Geiselhiebe, wie sie auf den Rücken prasseln, wahr, dann noch das Straucheln und Fallen beim Aufstieg zur Schädelstätte.
Diese Akusmen durchdringen die Zeit und tragen die Stimmung und Botschaft, dass Menschen Gott grausam am Kreuz getötet haben. Er kommt zu den Menschen und die Menschen töten ihn, nach einem Prozess, nach Folter und Verspottung, nach versuchter Demütigung. Was anderes könnte vom homo sapiens zu erwarten sein.
Erziehung
Als Jugendlicher wachte ich selbst streng über die Schiften, die ich las. Ich wollte mich nicht durch schlechtes Zeug verderben. Hierbei hatte ich nicht Anzügliches im Sinn, sondern einfach mindere Qualität. Mir war bewusst, dass die Lebens- und Lesezeit begrenzt ist.
Wenig später kam mir dann noch die Einsicht, dass nicht nur das Was, sondern vor allem auch das Wie des Lesens bedeutend ist.
Man wähle seine Lektüre eigenverantwortlich mit Bedacht und man lese gründlich, mache sich Notizen, schreibe selbst und sei hartnäckig und ausdauernd und dann vor allem noch produktiv.