kühl

Jeder Fanatismus, jede hundertprozentige Überzeugtheit, jeder unbedingte Glaube hat einen schlechten Geruch.

Eine vornehme Haltung zeigt sich an dem kühlen Blick, auch auf sich selbst.

widernatur

Zur medialen Aufwühlung schon seit langem bekannter sexualpathologischer Praktiken in der katholischen Kirche ein Zitat aus dem Jahre 1888:

„Vierter Satz.- Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff „unrein“ ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens.“

Weil es mit so großer Verve und Selbstüberschätzung geschrieben ist und vor allem aber mit Stil, hier der größere Zusammenhang:

„Gegeben am Tage des Heils, am ersten Tage des Jahres Eins
(- am 30. September 1888 der falschen Zeitrechnung)
Todkrieg gegen das Laster:
das Laster ist das Christenthum

Erster Satz. – Lasterhaft ist jede Art Widernatur. Die lasterhafteste Art Mensch ist der Priester: er lehrt die Widernatur. Gegen den Priester hat man nicht Gründe, man hat das Zuchthaus.

Zweiter Satz.- Jede Theilnahme an einem Gottesdienste ist ein Attentat auf die öffentliche Sittlichkeit. Man soll härter gegen Protestanten als gegen Katholiken sein, härter gegen liberale Protestanten als gegen strenggläubige. Das Verbrecherische im Christsein nimmt in dem Maasse zu, als man sich der Wissenschaft nähert. Der Verbrecher der Verbrecher ist folglich der Philosoph.

Dritter Satz. – Die fluchwürdige Stätte, auf der das Christenthum seine Basilisken-Eier gebrütet hat, soll dem Erdboden gleich gemacht werden und als verruchte Stelle der Erde der Schrecken aller Nachwelt sein. Man soll giftige Schlangen auf ihr züchten.

Vierter Satz.- Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff „unrein“ ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens.

Fünfter Satz. – Mit einem Priester an Einem Tisch essen stößt aus: man excommunicirt sich damit aus der rechtschaffnen Gesellschaft. Der Priester ist uns er Tschandala, – man soll ihn verfehmen, aushungern, in jede Art Wüste treiben.

Sechster Satz. – Man soll die „heilige“ Geschichte mit dem Namen nennen, den sie verdient, als verfluchte Geschichte; man soll die Worte „Gott“, „Heiland“, „Erlöser“, „Heiliger“ zu Schimpfworten, zu Verbrecher-Abzeichen benutzen.

Siebenter Satz. – Der Rest folgt daraus.“

[Nietzsche F. Der Antichrist; 1895.]

sitzfleisch

In der Vorfrühlingsluft der länger werdenden Wintertage, die Temeraturen sind noch eisig, die Sonnenstrahlen aber scheinen heller, die Vögel zwitschern  aufgeregt, schweifen die Gedanken zurück. Warum hat man in früheren Zeiten nicht mehr geschafft, warum hat man sich nicht hingehockt und durchgehalten, gearbeitet, bis man vom Stuhl gefallen wäre. Man hatte geduldig, entschlossen, mutig, mehr erreicht. Was hätte denn passieren sollen, was wäre einem geschehen, wenn man immer konsequent und tapfer durchgehalten hätte, nie aufgegeben, nie unterbrochen, nie abgelenkt, einfach fleißig, zügig, hartnäckig und planvoll gearbeitet hätte?

Man hätte  Schmerzen bekommen,  man hätte sich schreiend am Boden gewälzt und wäre röchelnd verendet unter der überwältigenden Last.

gehorsam

Kinder sollten gehorchen lernen. Ein Fehler der häufig begangen wird, ist, die Kinder vor die Wahl zu stellen zwischen Gehorsam und  Strafe.

Gehorsam bedeutet aber nicht Wahlfreiheit zwischen Gehorchen und Nichtgehorchen (und Bestraftwerden).

Gehorsam bedeutet, dass man das tun muss was verlangt wird, alternativlos.

Gehorsam ist bedingungslos und ohne Wahlmöglichkeit.

Gehorsam ist eng mit Disziplin und Autorität verknüpft und führt, konsequent in der Erziehung verfolgt, zu disziplinierten Menschen, die sich schließlich auch selbst im Griff haben und selbst Autorität besitzen. So erzieht Gehorsam und gehorchen können zu Selbstdisziplin, Selbstzucht und Freiheit.