schweigen

Über die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise wird nicht mehr geschwiegen, sie kann nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden. Das war zu Beginn der Krise im Sommer 2007 noch möglich. Damals war alles noch weit weg und auf schlechte Baufinanzierungen in den USA begrenzt.

Nur, wenn alle großen Investmentbanken der Wall Street auf die eine oder andere Art verschwinden, wenn auch deutsche Banken vor der Pleite durch Staatseingriffe bewahrt werden, wenn die Automobilindustrie der USA kurz vor der Insolvenz steht, dann kann man nicht pfeifen und so tun, als sei nichts Besonderes geschehen.

Fragen, die die ganze Bevölkerung unseres Landes angehen, müssen gestellt, diskutiert und beantwortet werden. Kreative Lösungsmöglichkeiten müssen besprochen und begangen werden. Und die Verantwortlichen müssen streng zur Rechenschaft gezogen werden. Das alles zügig und professionell.

ehrlich

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die moralische Diskussion über das wirtschaftliche Handeln verstärkt. Von Gier als Laster, von Maßlosigkeit, von Egoismus wird gesprochen.

Traditionelle Werte führt man dagegen an: Bescheidenheit, Sparsamkeit, Redlichkeit.

Mir scheint das richtig. Zwei Probleme sehe ich jedoch:

Einmal wird jeder Gauner, je besser und größer er ist, desto mehr, sich als Ehrenmann allerhöchster Güte darstellen. Ja die Gaunerei funktioniert um so besser, je geschickter sich der Gauner als Tugendausbund zu tarnen versteht und dadurch das Vertrauen seiner Mitmenschen und Opfer zunächst gewinnen und daraufhin missbrauchen kann. Räuber und Diebe in Nadelstreifen.

Die zweite Aporie sind außer- und übermoralische Systemzwänge: Würde ein Wirtschaftsteilnehmer sich herausragend moralisch verhalten, liefe er Gefahr auszuscheiden, den Konkurrenzkampf zu verlieren. Bei Angestellten ist das genauso. Beispielsweise verzichtet ein Unternehmen bei der Auftragsaquise auf Korruption. Es bleibt anständig aber auch ohne Aufträge und scheidet bald aus dem Wirtschaftsleben aus. Oder ein Angestellter wehrt sich gegen unlautere Machenschaften und arbeitet redlich. Er wird zunächst nicht befördert, dann entlassen.

Was kann man daraus schließen? Moral braucht eine sehr breite Front. Moral braucht eine starke Öffentlichkeit und Transparenz. Dunkle Machenschaften müssen ans Licht. Und Moral braucht die Angst vor Strafe bei Zuwiederhandlung und eine harte und gerechte Strafverfolgung. Das Risiko für unmoralisches Verhalten muss deutlich größer sein, als das Risko moralischen Handelns.

kalorienreduktion

Weniger essen, gesünder und vielleicht auch länger leben. Warum eigentlich nicht?

Calorie restriction hat drei Merkmale, die ich hier hervorheben möchte.

Kalorienreduktion ist nicht genussfeindlich. Niemand schreibt einem vor, was man zu essen hat, es sollten lediglich ca. 30% weniger Kalorien als in einer normalen Ernährung enthalten sein. Dass die restlichen 70% schlecht schmecken müssten, hat niemand behauptet. Ganz im Gegenteil: Der Volksmund sagt, Hunger sei der beste Koch und wenn man nicht übersättigt ist, schmeckt es noch einmal so gut. Zudem kann man, statt in die Menge, mehr Geld in die Qualität der Lebensmittel stecken.

Der zweite Punkt ist, dass calorie restriction ideologisch völlig unverdächtig ist. Calorie restriction funktioniert in zahllosen Tierversuchen bei vielen Tierarten. Ein Placeboeffekt ist ausgeschlossen, es gibt Nichts woran man „glauben muss“, es gibt keine Gurus, keine strenge Lehre, sondern sehr robuste wissenschaftliche Experimente, die von psychologischen Beeinflussungen unabhängig durchgeführt werden können.

Der dritte Punkt, den ich erwähnen möchte, ist, dass calorie restiction ein sehr offenes Verfahren ist, ohne eine konkrete Ernährungslehre. Es wird nur sehr allgemein empfohlen, die Kalorienzufuhr zu senken. Wie man das macht, ist frei wählbar. Lediglich Mangelerscheinungen, Unterernährung … muss man vermeiden. Es gibt viele verschiedene Ernährungsstile, die calorie restriction verwirklichen. Ich selbst bevorzuge keinen dieser Stile und betreibe sozusagen eine nicht ganz so strenge freie Kalorienreduktion.