misanthropie

Die Tendenzen zur Ablehnung anderer Menschen leugnet man gerne, auch vor sich selbst. Dabei spielt die Abneigung, das Unbehagen, die Feindseligkeit und Gleichgültigkeit der Menschen untereinander eine kaum zu überschätzende Rolle. Wie könnte man sonst gelassen bleiben, wenn in ärmeren Weltteilen Kinder allein deshalb sterben, weil ihnen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht.

Ein nicht unbeträchtlicher Teil des wirtschaftlichen Reichtums wird verwendet, um sich seine Mitmenschen vom Leibe zu halten. Und Unmengen an Medikamenten und Drogen werden konsumiert, damit Unsicherheit und Unbehagen in der Gegenward anderer Menschen gemildert werden.

Wie weit Abstand, Ruhe vor den Menschen, Höflichkeit aus Distanz ihre Berechtigung haben wird im Zusammenleben der Spaß- und Massenkonsumgesellschaft westlicher Prägung nur unzureichend realisiert.

ruhe

Ruhe und Konzentration sind Bedingungen für die Arbeit. Und die Ruhe ist auch Abstand von Lärm und Gerede, von Geselligkeit, vom An- und Aufeinanderhängen der Gesellschaft.

Thomas Bernhard:

„“Um mich ausleben zu können, wie ich will, bleibt mir nichts anderes übrig als das Alleinsein. Es ist eben so, dass mich Nähe tötet. Aber ich bin deshalb nicht zu bedauern.“

Die völlige Isolation hilft nicht. Sprache, Gesichter, der Austausch sind nötig, nur der Lärm, die Zerstreuung, der Unsinn und das zu eng und zu dicht und zu lange Aufeinander fallen lästig. Es ist nicht die Gesellschaft der Anderen, sondern der Mangel an Distanz, an Rücksichtnahme, an Höflichkeit. Es ist das Laute, Bunte, Schrille und der sinnlose Kampf gegen die Langeweile.