idylle

Die ländliche Idylle stirbt an bösartigen Geschwüren, die sich vor allem an ihren Rändern zeigen. Sie zersetzen die gewachsene natürliche, landwirtschaftliche und architektonische Schönheit durch ihr invasives, destruierendes und metastasierendes Wachstum.

Dabei hätte das Dorf, der Einsiedlerhof und die Kleinstadt weit ab von Metropolen Vorbilder genug im Natürlichen in Verbindung von dem durch Menschenhand über Jahrhunderte in strenger Tradition und regionaler Färbung Geschaffenen. Aber diese vorliegende Schönheit wird nicht erfasst, die Gegebenheiten in ihrer ästhetischen Stimmigkeit nicht erkannt. Das verwundert den Betrachter zunächst.

Dennoch führt das alltägliche Sehen, der selbstverständliche Umgang mit schönen Dingen nicht notwendig zu deren Verständnis. Die Empfindung des Angenehmen erfordert Schulung und Muße. Der stumpfe, abgearbeitete Blick kann es kaum erfassen. Besser wird es durch stundenlangen Konsum der Fernsehprogramme nicht.

So findet sich auch in der Geschichte von Philosophie und Wissenschaft eine lange Tradition der Skepsis, eine Kritik des Ungenügens bloßer sinnlicher Eindrücke ohne das daran geknüpfte Denken und Empfinden.

φύσις κρύπτεσθαι φιλεῖ. (Heraklit 123)

Die Natur, hier des Schönen, liebt es sich zu verbergen. Sie zu entbergen erfordert Kraft, Erziehung und Talent.

Das wird nur von wenigen geleistet werden können. Diese brauchen das Recht, die Einsichtslosen zu leiten. Die Führung durch eine Elite der Architektur, Landschafts- und Siedlungsgestaltung wäre nötig. Gewinnen durch die strenge, traditionsgebundene Leitung einiger würden alle.

heidegger

Heidegger stand bei der Veröffentlichung seines frühen Hauptwerkes „Sein und Zeit“ unter Druck. Er schielte auf einen Freiburger Lehrstuhl, hatte aber an Veröffentlichungen nicht viel zu bieten. Also zog er ein Fragment aus der Schublade, nannte es wie bekannt und versah es mit dem Zusatz der Ankündigung blieb, „erster Teil“. Der „zweite Teil“ kam nie.
Wenn deutsche verbeamtete Philosophieprofessoren in Not sind, tun sie merkwürdige Dinge. Sind sie aus dem Schneider, geht alles wieder seinen ruhigen Gang. Der ruhige Gang aber dürfte die Leistungen nicht fördern. Er führt eher zu dem, was Konrad Lorenz die „Verhausschweinung“ titulierte. Eine Wildsau ist im Gegensatz zum Hausschwein stärker, klüger, robuster, schneller und fruchtbarer.
Warum werden in Deutschland die Lehrer und darin inbegriffen auch die Hochschullehrer verbeamtet? Sollen sie verhausschweinen, sich geborgen und versorgt fühlen und abschlaffen in der verbeamteten Bequemlichkeit?
Was wäre aus Heidegger als Wildsau geworden?
In einem späten Filmausschnitt ahnt man bei diesem deutschen Gelehrten sein schlechtes Gewissen, man bemerkt den schuldbewußten Blick, die Angst, dass die großsprecherische Rabulistik durchschaut wird und ein kleiner Staatsbeamte mit hohem Pathos zum Vorschein kommt.

negativ

Burrhus Frederic Skinner, der bekannteste us-amerikanische Vertreter des Behaviorismus, hat es klar formuliert. Bestrafung, Kritik und alle negativen Reaktionen sind selbst nachteilig. Der Kritisierte wird eher nicht sein Verhalten ändern. Einmal hat das bisherige Verhalten ihm offenbar gegenüber Alternativen Vorteile gebracht. Zudem ist eine Änderung von Verhaltensmustern mit einer erhöhten Anstrengung verbunden.

Bestrafung führt dazu, dass nicht die bestrafte Handlung vermieden wird, sondern der Bestrafer. So meidet der Dieb nicht den Diebstahl, sondern die Polizei, und das Kind, das Schokolade nascht, meidet nicht die Schokolade, sondern verbirgt das Naschen vor der Mutter. Verbotenes wird verheimlicht. Noch ein Beispiel: der Steuerhinterzieher meidet nicht die Steuerhinterziehung, sondern das Finanzamt und die Steuerverhandung.

Neben der fehlenden Wirksamkeit ist das Meckern, Nörgeln, Kritisieren, Verbessern usw. auch gegen den guten Geschmack. Kritik, Beschwerden, Zurechtweisungen, Schuldzuweisungen etc. passen zu einem grantigen Hausmeister, einem Concierge, ein wirklicher Herr, ein Gentleman sollte sie meiden.

bevölkerungspolitik

Der Focus titelt:

Trotz Elterngeld weniger Geburten in Deutschland … Die CDU-Politikerin von der Leyen zeigte sich überrascht über den so starken Rückgang trotz des Elterngeldes … [+]

So sinnvoll zunächst einzelne Maßnahmen erscheinen, so wenig bewirken sie tatsächlich.

Und Frau von der Leyen wird sich nicht ernsthaft mit der Wirtschaft anlegen.

Die Wirtschaftsverbände wollen hochqualifizierte Frauen als „Humankapital“ auf dem Arbeitsmarkt. Die Frauen sollen im Wettbewerb untereinander und mit ihren männlichen Konkurrenten stehen. Wenn das Angebot an gut ausgebildeten Arbeitskräften durch die Frauen steigt, sinkt der Preis dieser Arbeit. Bei steigendem Angebot sinkt der Preis, das alte Spiel. Bei sinkendem Preis der Arbeitskräfte steigt der Gewinn des Kapitals.

Da Frauen ihre Karriere gerade in jungen Jahren betreiben müssen, damit sie nicht hoffnungslos von ihren männlichen Mitbewerbern überrundet werden, wird der Kinderwunsch aufgegeben oder so lange verschoben bis es (fast) zu spät ist.

So wird die Fortpflanzung gerade der hoch qualifizierten und intelligenten Frauen auf dem Altar der Profitrate geopfert. Der Molloch, besonders des alles beherrschenden Finanzkapitals, verschlingt unseren (ungeborenen) zahlreichen, bildungsnahen und intelligenten Nachwuchs.

Und was bleibt einem Land wie Deutschland noch, wenn ihm seine zahlreiche, kluge, gesunde, leistungsfähige und leistungsbereite Jugend fehlt? Und die wird fehlen, weil sie nicht geboren wird.

Zwei Probleme bestehen also:

  1. die viel zu niedrige durchschnittliche Geburtenrate von 1,3 bis höchstens 1,4 Kindern pro Frau und
  2. die noch viel geringere Geburtenrate bei Akademikerinnen, bei gleichzeitig überdurchschnittlich hoher Kinderzahl in der Unterschicht

Das führt

  1. zu einem Rückgang der Bevölkerung und
  2. zu einer im Durchschnitt weniger begabten und schlechter qualifizierten Bevölkerung.

Zunächst muss das Problem der schrumpfenden und zunehmend weniger intelligenten Bevölkerung klar benannt werden.

Zur Lösungen wird man weit umfangreichere Maßnahmen benötigen, als das „Elterngeld“.

Vorstellbar wären:

  • Kinderwahlrecht, treuhänderisch ausgeübt durch die Eltern. Das würde kinderreichen Familien mehr demokratisches Gewicht geben und einen Gegenpol bilden zur „Rentnerrepublik“.
  • Bezahlung der Haus- und Erziehungsarbeit aus Steuermitteln. Die Höhe sollte abhängen von dem zu erwartenden Gehalt, das die Frau oder der Mann im Berufsleben verdienen würden. Außerdem sollte die Höhe des Erziehungsgeldes der Anzahl der Kinder angemessen sein, sodass der, der mehr Kinder großzieht, auch besser dafür bezahlt wird. Diese Haus- und Kinderarbeit sollte bezahlt werden bis zur Volljährigkeit der Kinder. Die, die keine Kinder aufziehen, oder nur eines, sollten gegenüber den kinderreichen Familien steuerlich entsprechend höher belastet werden.
  • Frühe, großzügige Förderung von Eheschließung und zahlreichem Nachwuchs bei Studenten
  • Reduktion der Steuerlast einer Familie um 10 % pro Kind
  • nicht nur eine familien- und kinderfreundliche „Stimmung“ und Moral, sondern viele, konkrete, durchdachte Maßnahmen in diese Richtung
  • Stärkung bewährter Traditionen, die früher erfolgreich zu kinderreichen Familien geführt haben

In der Frage der schrumpfenden und zunehmend miderbegabten Bevölkerung muss geklotzt und nicht gekleckert werden.

Das gebietet das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, das dem Wohle des deutschen Volkes verpflichtet ist. Eine Verpflichtung auf eine möglichst hohe Profitrate des Kapitals besteht dagegen laut Grundgesetz nicht.

Und wer immer wieder gerne John Maynard Keynes zitiert mit dem Satz, „in the long run we are all dead“, sollte zwei Dinge bedenken:

  1. Für den Einzelnen ist dieser Satz richtig.
  2. Für unsere Kinder und Kindeskinder usw. ist er falsch. Die Kinder und ihre Kinder, und so fort, sind auf lange Sicht nicht tod, sondern lebendig.

Damit das so kommen wird, müssen wir entschlossen und nicht halbherzig handeln.

kinderglaube

Auch Kinder zweifeln bisweilen an religiösen, übernatürlichen Mythen. Aber der Glaube überwiegt. Und in der Erziehung werden mit der jeweiligen Religion, ihren Wunder- und Heilsgeschichten, Verhaltensnormen transportiert und eingeübt.

Wenn dann, häufig bei Jugendlichen, die Rebellion gegen die Welt der Erwachsenen folgt und die Geschichten der Religion in ihrer Zweifelhaftigkeit erscheinen und zudem am Verhalten der religiösen Autoritäten die Scheinheiligkeit und doppelte Moral gesehen wird, dann passiert etwas Verständliches, aber für die moralische Entwicklung junger Menschen gleichwohl Schädliches. Sie lehnen nicht nur die Mythen ab und den jeweiligen selbstgefälligen und verkommenen Klerus, sondern auch leider viele moralische Überlieferungen, die, für sich genommen, gut sind, und, hätten sie nicht das religiöse Drumherum, auch von jungen Menschen zweifelsohne als richtig empfunden werden könnten.

So leistet Religion mit ihrer Verquickung von unwahren Geschichten, von Mythen, mit guten moralischen Regeln in der Erziehung genau das Gegenteil von dem, was sie erreichen möchte. Statt die Moral zu festigen und gar zu begründen, führt der Konnex von Mythos und Moral zu einer Ablehnung von beidem. Beides bekommt den Anschein des Falschen, obgleich ihn die Mythen in höherem Grade verdienen.

Und selbst die Mythen erleiden ihr Schicksal der Verwerfung durch junge Menschen zu Unrecht. Erfundene Geschichten, fiktionale Texte, religiöse Erzählungen sind in großen Teilen faktisch unwahr. Aber sie können dennoch mächtige Bilder erzeugen, zu wichtigen Interpretationen führen. Das alles aber unter der ausdrücklichen Berücksichtigung ihrer Fiktionalität.

Die Auferstehung Christi ist kein Tatsachenbericht, sondern eine großartige Phantasiegeschichte.

Vor Ostern 2009