Ökonomie
Wir leben in einer aristokratischen Gesellschaft. Man bemerkt es nicht auf den ersten Blick, sondern muss sich die Augen reiben, zum Beispiel an einem Freitag Abend nach einer sehr anstrengenden Woche. Dann kann man sehen, dass es trotz aller demokratischen Gleichheitsideen immer noch, oder schon wieder, die Unterscheidung der Menschen in Herren und Knechte gibt.
Die Herren haben es nicht nötig zu arbeiten, bestenfalls müssen sie an irgendwelchen Schreibtischen Geschäftigkeit mit bürokratischem Firlefanz simulieren, die Herren erhalten arbeitslose Einkommen als „Transferleistungen“ oder lassen ihr Geld für sich arbeiten.
Und die Knechte müssen produktiv sein, müssen den gesellschaftlichen Reichtum, der immer und überall an menschliche Arbeit gebunden ist, herstellen.
Die Arbeit wird von den Knechten verrichtet, die Früchte der Arbeit werden von den Herren genossen. Die einen sind abgeschafft, die anderen grinsen frisch aus der manchmal feinen, bisweilen auch schäbigen Wäsche.
praktische Philosophie
Die Gescheiterten kompensieren. Sie erklären die herrschenden Spielregeln für ungültig und behaupten, dass andere Regeln besser sind. Nach diesen anderen Regeln würden die Gescheiterten gewinnen. Nach den von ihnen anerkannten Maßstäben wären sie die eigentlichen Sieger.
Dieses Denkmuster findet man bei Revolutionären, bei Paranoikern, bei vielen Zukurzgekommenen und Unzufriedenen.
Leben, praktische Philosophie
Wie kann man sich anständig zu den Mitmenschen verhalten? Nun, es dürfte viele Wege dorthin geben.
Eine Hilfe zum Ziel, anständig zu sein, ist ein Gedankenexperiment:
Nehmen wir an, der jeweilige Mensch wäre der letzte mit dem wir es in diesem Leben zu tun hätten. Danach käme das Nirwana, das Nichts, das jüngste Gericht, das Paradies und so weiter.
Und auch wenn wir, wie ich hoffe, noch sehr lange und gut leben werden, so hilft diese Fiktion den Umgang mit den Anderen zu klären und letztgültig zu formen.
Ganz ausgeschlossen ist es ja auch nicht, dass der Gedanke real wird und irgendwann einmal werden wir mit dem letzten Menschen im Leben zu tun haben. Hoffentlich sind wir dann nicht allein. Und hoffentlich haben wir versucht, uns davor zu all den anderen Menschen wenigstens einigermaßen anständig zu verhalten.
praktische Philosophie
Bei all dem Geschrei, Werben, sich in Scene setzen, dem Bunten, Grellen und Lauten, bei dem sich gegenseitig Übertönen und Ausstechen haben alle diese kommunikativen Vergewaltigungsversuche kaum noch Bedeutung.
Was dagegen schwer wiegt, sind die wirklich leisen Töne, das undeutliche Gemurmel, das Kleine, das Unscheinbare oder noch besser – das Schweigen.
praktische Philosophie
Kein Meister, kein Weg, keine Methode (= Weg), keine Lehre, keine Worte, keine Gedanken, nur der Punkt der Erleuchtung.