Archive for September, 2009

atlantis

Monday, September 28th, 2009

Es ist nicht nur einmal, sondern zweimal unter gegangen. Sein Weiterbestehen durchsetzt die Köpfe von Irrenhäuslern, und doch bildet Atlantis, so scheint es Verrückten, den Haupt- und Wärmestrom aller menschlichen Höherentwicklung.
Der dritte Streit ist unvermeidlich und ebenso unvermeidlich wird er zum Aufgang führen, wie es die Antizipation bestimmt. So munkelt man in schmutzigen Winkeln von geschlossenen Abteilungen in wärmende Zwangsjacken gehüllt.

unwesentlich

Sunday, September 27th, 2009

Alles Unwesentliche weg lassen: Eitelkeiten, Rangabzeichen, die doch keine wirklich begründete Autorität bedeuten und die wahrhafte Größe nicht nötig hat, alles was sinnlos zerstreut, schwächt, Zeit frißt.
Unnütze Streitigkeiten, sinnlose Kritik, schwächende Dekadenz, das alles einfach beiseite legen und das Wesentliche verfolgen.

strecke

Saturday, September 19th, 2009

K. dachte, der Gedanke, man werde geboren, lebe und sterbe, habe eine beruhigende Einfachheit und Klarheit. Er ist übersichtlich und fasst das Leben in drei Schritten zusammen. Geburt, Lebensspanne und Sterben, mehr nicht. Käme, wenn man dem Dualismus von Körper und Geist folgt, noch die Möglichkeit eines Fortexistierens über den Tod hinaus dazu. Aber diese Wandlung einer Lebensstrecke mit zwei Enden in einen geometrischen Strahl mit einem Anfang und ohne Ende, zumindest für die Seele, zerstört die ästhetische Harmonie. Das ewige Leben einer Seele macht zwar unsere Todesfurcht erträglicher. Und die Todesfurcht ist stark, sie bietet einen großen Selektionsvorteil, dacht K. Dennoch sind die Belege für ein Weiterleben der Seele und ein Wiederauferstehen der Körper schwach. Nahtodeserfahrungen, so überlegte sich K., geben Hinweise in diese Richtung der Spekulation.

exzentrisch

Friday, September 18th, 2009

Wer sich aus dem Zentrum heraus bewegt, wer die “Mitte” verlässt, wer vom Durchschnitt abweicht, den nennen wir hier exzentrisch.
Es ist eine Bewegung vom Üblichen weg, fort vom wohl Angepassten. Und der, der sich bewegt oder auch passiv treiben lässt, der Exzentriker, wird seine Bewegung als eine Höherbewegung deuten. Auch und gerade, wenn er sich nach unten bewegt, abfällt, absinkt, ja unterzugehen droht, wird er sich selbst und seinen Mitmenschen, sofern irgend möglich, vormachen, er steige, er bewege sich nach oben von der Gruppe weg, er sei nicht nur anders, sonder im Grunde den Durchschnittlichen überlegen.
Ganz im Gegensatz zu diesen Parvenus der Exzentrik, völlig verschieden davon, bemüht sich der Ekstatiker um Normalität und das sogar recht erfolgreich.

gruppennoten

Thursday, September 17th, 2009

Wenn in den Schulen Noten vergeben werden, so sind die Benoteten immer, soweit mir bekannt, einzelne Schüler.
Zwar werden erzieherisch auch Teamfähigkeit und Gruppenarbeit gefördert, doch wenn es ernst wird, bleibt jeder auf sich allein gestellt und wird zum Einzelkämpfer in benoteten Tests.
Warum wird nicht auch die Zusammenarbeit benotet, warum werden bei geistigen Wettbewerben nicht auch Mannschaften gebildet wie im Sport.
In der Arbeitswelt jedenfalls ist die Konkurrenz von Gruppen, Betrieben, Firmen, Konzernen usw. ebenso bedeutsam, wie die Konkurrenz von Individuen.
Die kommende Generation hätte einen großen Nutzen, wenn man ihre Fähigkeit nicht nur zu Einzelkämpferleistungen in Wettbewerben misst, sondern auch Gruppen in Prüfungen gegeneinander antreten läßt, so wie das in Mannschaftssportarten ganz selbstverständlich ist.
Auch intellektuelle Leistungen sind zu einem großen Teil Mannschaftssportarten.

gemeinnutz

Wednesday, September 16th, 2009

Die Tragödie der Allmende, der Kolchose, des Kibutz zeigt die Schwierigkeit dem Gemeinwohl zu dienen. Wenn Gemeinwohl und Eigenwohl konkurrieren, erhält das Eigenwohl den Vorrang und es machen sich Trittbrettfahrer breit.

Es könnte allerdings ein “Eigennutz höherer Ordnung” entstehen, wenn gezeigt werden kann und auch fühlbar gemacht wird, dass bedingungslose, nicht berechnende Arbeit am Gemeinwohl auch dem Eigenwohl mehr dient, als der direkte Egoismus. Es handelt sich hier um eine “intentio obliqua” (Aristoteles). Und mir scheint in der Tat, dass das Bestreben wirklich für die Gemeinschaft zu handeln auch für das Individuum mehr Vorteile bringt, als der universale Egoismus und das gegenseitige Belauern und Übervorteilen.

Ein Problem dabei ist egoistische Ausbeutung des Gemeineigentums, der Allmende, durch Trittbrettfahrer.

Die Tragik der Allmende ist ebenso die Tragik der Umwelt, die wie die Allmende, allen gemeinsam zu gehören scheint.