biopositiv

Der Begriff stammt aus der Ethik Albert Schweitzers. Nicht, dass ich die Auffassungen dieses großen Mannes übernehmen würde. Sein Projekt in Lambaréné scheiterte auf längere Sicht, vermutlich auch aufgrund von Mängeln in seiner moralischen Konzeption.

Aber „biopositiv“ ist eine nützliche Bezeichnung für all das, was das Leben der Menschen über Generationen hinweg erhält, fördert und vermehrt.

Die katholische Ethik, man mag über die Dogmatik denken was man will, die Ethik ist lebenserhaltend und -fördernd. Und sie ist es heute in einem Maß, das sonst nicht mehr zu finden ist.

Die katholische Moral lenkt die Sexualität hin zur Liebe in der Ehe und hin zur Fortpflanzung. Sie ist für unbedingte Treue, für Keuschheit, gegen Homosexualität, gegen Pornographie und Prostitution, sie schützt das ungeborene Leben, sie ist gegen Empfängnisverhütung, gegen Geburtenkontrolle und fördert Familien.

Die katholische Ethik ordnet das Miteinander der Menschen, lehrt Vergebung und Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe. Sie richtet sich mutig gegen die Zerstörung der Menschen, gegen Schäden am Gemeinwesen.

arbeiterkunst

Was mich zunächst doch immer wieder wundert, ist das Fehlen der normalen Arbeitswelt als Sujet der Kunst, wie auch der Unterhaltungsbranche.

Die Heldinnen und Helden tun alles Mögliche, nur sie werden nicht ausführlich bei einer ganz normalen Erwerbstätigkeit dargestellt. Und die Arbeit ist es doch, die einen großen Teil des Alltags bei den meisten Erwachsenen ausmacht. Warum ist sie dann nicht Thema in Kunst, Kultur und Unterhaltung?

Ist die Arbeit zu unangenehm? Ich denke nicht. Und zudem sind viele Themen der hohen und trivialen Kunst nicht angenehm. Es geht um Verbrechen, Krieg, Krisen und viellerlei mehr Konflikte und Probleme. Nur der Arbeitsalltag beleibt ausgespart. Er ist der weiße Fleck auf der Landkarte der Kunst, die terra incognita.

Ist der Alltag überhaupt „kunstfähig“, bedarf es für die Kunst außeralltäglicher, besonderer und spannender Ereignisse, die uns gerade aus dem Alltäglichen herausführen?

Wohl kaum, denn Kunst ist nicht so sehr am Inhalt, wie an der Form, an der gelungenen Art und Weise der Darstellung festzumachen. Und die Vielschichtigkeit der Arbeitswelt böte bei genauer Betrachtung genügend Stoff.

Außergewöhnliche Ereignisse passieren auch im Erwerbsleben und zudem sollte Kunst nicht im Sinne der Flucht, des Eskapismus aus dem Leben heraus führen, vielmehr sollte sie, wenn auch bisweilen über Umwege, das Verständnis für unser Leben bereichern und somit weiter in unser Leben hineinführen.

Kunst ist in einem leicht hinterhältigen Sinn eine „Einführung ins Leben“.

Diese Formulierung, z. B. „Einführung in die Algebra“, lässt nämlich zunächst ein unschuldiges und langsames Heranführen an die Sache vermuten. Aber hinter diesen harmlos und propädeutisch wirkenden Titeln verbirgt sich dann in der Tat, zumindest bei wissenschaftlichen Lehrbüchern, die ganze Thematik selbst und nicht nur ein behutsames Hinführen.

In diesem Sinne, der Darstellung des Ganzen, ist die Kunst, auch erzieherisch für alle Altersgruppen eine Einführung ins Leben. Sie ist nicht und soll nicht eine Wegführung vom Leben sein. Eine Flucht aus der Lebenswelt ist nicht Kunst, sondern Kitsch, ist nicht eine Klärung des Verständnisses der Realität, sondern Eskapismus, ist Verneblung, ist Droge, ist Flucht aus der Wirklichkeit.

Somit gilt der Appell und das Ziel: hinein ins Leben, hinein in die Arbeit und hinein in die künstlerische Darstellung der Arbeitswelt.

Ein Hürde mag sein, dass Künstler keiner üblichen Erwerbsarbeit nachgehen. Sie benötigen die Zeit, die „Muße“ für die Kunst. Aber darin besteht die Forderung an wirkliche Kunst, sich in das Hineinzuversetzen, was man selbst nicht authentisch erlebt hat, nicht nur Autobiographisches hervor zu bringen, nicht im Stil eines Tagebuches zu verharren, es sei denn das Tagebuch wird von einer ganz anderen Person geschrieben, und es handelt sich somit nicht um eine authentisches, sondern um ein fiktives Journal.

wesentlich

Äußerlichkeiten sind es definitionsgemäß nicht. Also muss man sich nicht groß um sie kümmern, nur das Notwendigste besorgen.

Für Entertainment gilt noch mehr, es ist überflüssig.

Alle Laster sind ebenso unnütz und Zeitverschwendung.

Weniger ist mehr, und wir beschränken uns nur auf das Wichtige, Gute, Bleibende.

Die Religionen, besonders das ernsthafte, konservativ, katholische Christentum könnten hierin ein Vorbild sein. Christus sprach, soweit zumindest die Überlieferung, von einer Endzeit. Und in der Vorbereitung auf die Endzeit fällt das Nebensächliche, Eitle, Lasterhaft fast von alleine weg. Es bleibt das, was wirklich zählt, das Wesentliche.

heilig

„Himmelbett statt Hostien, Schlemmermenüs statt Abendmahl, Schulsport statt Niederknien, Sparbücher statt Segen – der Umbau von Sakralbauten in Wohnungen, Restaurants, Sporthallen oder Sparkassenfilialen ist ein hochsensibler Markt. Einer, der auch in Deutschland wachsen wird – das ist so sicher wie das Amen am Altar.“ So kann man in der Onlineausgabe der Wirtschaftswoche zu Ostern 2009 über die profane Nutzung von Sakralbauten lesen.

Auch wenn die Inhalte des christlichen Glaubens nicht mehr fundamentalistisch, wörtlich, ohne Zweifel und Kritik angenommen werden können, auch wenn statt dem Christentum die Religion des Massenkonsums und hier besonders die tägliche, stundenlange und gewissenhafte Anbetung des Fernsehers vorherrschend ist und wenn für aufgeklärte Geister die Wissenschaften die Religionen ersetzt haben, auch dann ist mein Empfinden eindeutig für das Religiöse und hier ganz klar für das Katholische und da wiederum für seine gemäßigt konservativer Praxis.

Bei den Möglichkeiten, Himmelbett statt Hostie, bin ich ohne eine Sekunde zu zögern für die Hostie, als dem wirklichen Leib des Gottmenschen Jesus.

Schlemmermenüs erzeugen Übelkeit verglichen mit dem heiligen Abendmahl, bei dem das Kreuzopfer von Mensch und Gott vollzogen wird.

Die Demut des Niederkniens ist weit wichtiger im Leben als sinnfreie Turnübungen, und das Knien im heiligen Raum schließt die körperliche Ertüchtigung nicht nur für Schüler, sondern auch für Vor- und Nachschüler nicht aus. Vielmehr bedeutet das Bibelwort vom Körper als Gottestempel, dass dieser Tempel stark, schön und gesund erhalten werden muss (1.Kor. 6,19).

Der Segen des Vaters oder der Mutter für die Kinder, der Segen eines Menschen für einen Anderen bedeutet eine wohlwollende, beschützende Haltung, die durch das rein finanzielle eines Sparbuches nicht aufgewogen werden kann. Zudem hat man ein Sparbuch meistenfalls für sich selbst, der Segen wird aber einem anderen gespendet, sich selbst zu segnen, so wie man Geld für sich selbst auf sein Sparbuch einzahlt ist unmöglich. So steht der Segen um vieles höher als das Sparbuch.

bevölkerungspolitik

Der Focus titelt:

Trotz Elterngeld weniger Geburten in Deutschland … Die CDU-Politikerin von der Leyen zeigte sich überrascht über den so starken Rückgang trotz des Elterngeldes … [+]

So sinnvoll zunächst einzelne Maßnahmen erscheinen, so wenig bewirken sie tatsächlich.

Und Frau von der Leyen wird sich nicht ernsthaft mit der Wirtschaft anlegen.

Die Wirtschaftsverbände wollen hochqualifizierte Frauen als „Humankapital“ auf dem Arbeitsmarkt. Die Frauen sollen im Wettbewerb untereinander und mit ihren männlichen Konkurrenten stehen. Wenn das Angebot an gut ausgebildeten Arbeitskräften durch die Frauen steigt, sinkt der Preis dieser Arbeit. Bei steigendem Angebot sinkt der Preis, das alte Spiel. Bei sinkendem Preis der Arbeitskräfte steigt der Gewinn des Kapitals.

Da Frauen ihre Karriere gerade in jungen Jahren betreiben müssen, damit sie nicht hoffnungslos von ihren männlichen Mitbewerbern überrundet werden, wird der Kinderwunsch aufgegeben oder so lange verschoben bis es (fast) zu spät ist.

So wird die Fortpflanzung gerade der hoch qualifizierten und intelligenten Frauen auf dem Altar der Profitrate geopfert. Der Molloch, besonders des alles beherrschenden Finanzkapitals, verschlingt unseren (ungeborenen) zahlreichen, bildungsnahen und intelligenten Nachwuchs.

Und was bleibt einem Land wie Deutschland noch, wenn ihm seine zahlreiche, kluge, gesunde, leistungsfähige und leistungsbereite Jugend fehlt? Und die wird fehlen, weil sie nicht geboren wird.

Zwei Probleme bestehen also:

  1. die viel zu niedrige durchschnittliche Geburtenrate von 1,3 bis höchstens 1,4 Kindern pro Frau und
  2. die noch viel geringere Geburtenrate bei Akademikerinnen, bei gleichzeitig überdurchschnittlich hoher Kinderzahl in der Unterschicht

Das führt

  1. zu einem Rückgang der Bevölkerung und
  2. zu einer im Durchschnitt weniger begabten und schlechter qualifizierten Bevölkerung.

Zunächst muss das Problem der schrumpfenden und zunehmend weniger intelligenten Bevölkerung klar benannt werden.

Zur Lösungen wird man weit umfangreichere Maßnahmen benötigen, als das „Elterngeld“.

Vorstellbar wären:

  • Kinderwahlrecht, treuhänderisch ausgeübt durch die Eltern. Das würde kinderreichen Familien mehr demokratisches Gewicht geben und einen Gegenpol bilden zur „Rentnerrepublik“.
  • Bezahlung der Haus- und Erziehungsarbeit aus Steuermitteln. Die Höhe sollte abhängen von dem zu erwartenden Gehalt, das die Frau oder der Mann im Berufsleben verdienen würden. Außerdem sollte die Höhe des Erziehungsgeldes der Anzahl der Kinder angemessen sein, sodass der, der mehr Kinder großzieht, auch besser dafür bezahlt wird. Diese Haus- und Kinderarbeit sollte bezahlt werden bis zur Volljährigkeit der Kinder. Die, die keine Kinder aufziehen, oder nur eines, sollten gegenüber den kinderreichen Familien steuerlich entsprechend höher belastet werden.
  • Frühe, großzügige Förderung von Eheschließung und zahlreichem Nachwuchs bei Studenten
  • Reduktion der Steuerlast einer Familie um 10 % pro Kind
  • nicht nur eine familien- und kinderfreundliche „Stimmung“ und Moral, sondern viele, konkrete, durchdachte Maßnahmen in diese Richtung
  • Stärkung bewährter Traditionen, die früher erfolgreich zu kinderreichen Familien geführt haben

In der Frage der schrumpfenden und zunehmend miderbegabten Bevölkerung muss geklotzt und nicht gekleckert werden.

Das gebietet das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, das dem Wohle des deutschen Volkes verpflichtet ist. Eine Verpflichtung auf eine möglichst hohe Profitrate des Kapitals besteht dagegen laut Grundgesetz nicht.

Und wer immer wieder gerne John Maynard Keynes zitiert mit dem Satz, „in the long run we are all dead“, sollte zwei Dinge bedenken:

  1. Für den Einzelnen ist dieser Satz richtig.
  2. Für unsere Kinder und Kindeskinder usw. ist er falsch. Die Kinder und ihre Kinder, und so fort, sind auf lange Sicht nicht tod, sondern lebendig.

Damit das so kommen wird, müssen wir entschlossen und nicht halbherzig handeln.

kinderglaube

Auch Kinder zweifeln bisweilen an religiösen, übernatürlichen Mythen. Aber der Glaube überwiegt. Und in der Erziehung werden mit der jeweiligen Religion, ihren Wunder- und Heilsgeschichten, Verhaltensnormen transportiert und eingeübt.

Wenn dann, häufig bei Jugendlichen, die Rebellion gegen die Welt der Erwachsenen folgt und die Geschichten der Religion in ihrer Zweifelhaftigkeit erscheinen und zudem am Verhalten der religiösen Autoritäten die Scheinheiligkeit und doppelte Moral gesehen wird, dann passiert etwas Verständliches, aber für die moralische Entwicklung junger Menschen gleichwohl Schädliches. Sie lehnen nicht nur die Mythen ab und den jeweiligen selbstgefälligen und verkommenen Klerus, sondern auch leider viele moralische Überlieferungen, die, für sich genommen, gut sind, und, hätten sie nicht das religiöse Drumherum, auch von jungen Menschen zweifelsohne als richtig empfunden werden könnten.

So leistet Religion mit ihrer Verquickung von unwahren Geschichten, von Mythen, mit guten moralischen Regeln in der Erziehung genau das Gegenteil von dem, was sie erreichen möchte. Statt die Moral zu festigen und gar zu begründen, führt der Konnex von Mythos und Moral zu einer Ablehnung von beidem. Beides bekommt den Anschein des Falschen, obgleich ihn die Mythen in höherem Grade verdienen.

Und selbst die Mythen erleiden ihr Schicksal der Verwerfung durch junge Menschen zu Unrecht. Erfundene Geschichten, fiktionale Texte, religiöse Erzählungen sind in großen Teilen faktisch unwahr. Aber sie können dennoch mächtige Bilder erzeugen, zu wichtigen Interpretationen führen. Das alles aber unter der ausdrücklichen Berücksichtigung ihrer Fiktionalität.

Die Auferstehung Christi ist kein Tatsachenbericht, sondern eine großartige Phantasiegeschichte.

Vor Ostern 2009