praktische Philosophie
In unserer Gymnasialzeit verwandten wir für den Aufsatz die folgenden Elemente:
• die Stoffsammlung,
• die Gliederung,
• den Entwurf und
• die Reinschrift mit
• der abschließenden Korrektur.
Das war sehr gut und weit besser als das bloße Drauflosschreiben, dem ich heute gelegentlich unter Zeitdruck nachgehe.
Schade, dass die Kunst des Aufsatzes, anders als in Frankreich, bei uns nicht gepflegt wird. Politiker und andere Eliten könnten zeigen, ob sie lediglich Sprachrohre sind, oder ob sie unter Prüfungsbedingungen selbst etwas zu sagen wüssten und dieses auch formal gut ausdrücken könnten.
Frankreich pflegt eine Kultur seiner Sprache von der Deutschland für sich profitieren könnte. Der soziale Rang wird dort nicht so sehr über Vermögen, Kleidung, gesellschaftliche Kontakte als über das sprachliche Niveau bestimmt. Auch England differenziert die sozialen Klassen über die Sprachkompetenz.
Erziehung, praktische Philosophie
Heidegger stand bei der Veröffentlichung seines frühen Hauptwerkes „Sein und Zeit“ unter Druck. Er schielte auf einen Freiburger Lehrstuhl, hatte aber an Veröffentlichungen nicht viel zu bieten. Also zog er ein Fragment aus der Schublade, nannte es wie bekannt und versah es mit dem Zusatz der Ankündigung blieb, „erster Teil“. Der „zweite Teil“ kam nie.
Wenn deutsche verbeamtete Philosophieprofessoren in Not sind, tun sie merkwürdige Dinge. Sind sie aus dem Schneider, geht alles wieder seinen ruhigen Gang. Der ruhige Gang aber dürfte die Leistungen nicht fördern. Er führt eher zu dem, was Konrad Lorenz die „Verhausschweinung“ titulierte. Eine Wildsau ist im Gegensatz zum Hausschwein stärker, klüger, robuster, schneller und fruchtbarer.
Warum werden in Deutschland die Lehrer und darin inbegriffen auch die Hochschullehrer verbeamtet? Sollen sie verhausschweinen, sich geborgen und versorgt fühlen und abschlaffen in der verbeamteten Bequemlichkeit?
Was wäre aus Heidegger als Wildsau geworden?
In einem späten Filmausschnitt ahnt man bei diesem deutschen Gelehrten sein schlechtes Gewissen, man bemerkt den schuldbewußten Blick, die Angst, dass die großsprecherische Rabulistik durchschaut wird und ein kleiner Staatsbeamte mit hohem Pathos zum Vorschein kommt.
Erziehung, praktische Philosophie
Man wetzt die Feder wie das Schwert. Geschärft ist sie um Vieles mächtiger.
praktische Philosophie
In einer repräsentativen Demokratie, wie der der Bundesrepublik Deutschland, zählt bei den Wahlen die Mehrheit der Stimmen. Die Masse der Wähler wird propagandistisch hofiert. Aber auch und besonders die Interessen kleiner und dafür um so einflussreicherer Gruppen werden bedient. So macht das Gemeinwohl, das an den Interessen aller, besonders aber auch der zukünftigen Generationen orientiert ist, dem Eigennutz und der Habsucht Platz.
Die politische Theorie hat dafür einen Begriff, der heute kaum noch bekannt ist. Die Ochlokratie bezeichnet diese Verfallsform der Demokratie. Ochlokratie leitet sich ab von ὄχλος (óchlos) – (Menschen-)Menge, Pöbel, Masse, sowie κρατία (kratía) – Herrschaft). Sie ist die korrumpierte Form der Demokratie.
Platon handelt von ihr (Platon, Politikos, 292a), ebenso Aristoteles (Nikomachische Ethik, 1160a) und Polybios (Geschichte, 6).
[7] πρώτη μὲν οὖν ἀκατασκεύως καὶ φυσικῶς συνίσταται μοναρχία, ταύτῃ δ᾽ ἕπεται καὶ ἐκ ταύτης γεννᾶται μετὰ κατασκευῆς καὶ διορθώσεως βασιλεία. [8] μεταβαλλούσης δὲ ταύτης εἰς τὰ συμφυῆ κακά, λέγω δ᾽ εἰς τυραννίδ᾽, αὖθις ἐκ τῆς τούτων καταλύσεως ἀριστοκρατία φύεται. [9] καὶ μὴν ταύτης εἰς ὀλιγαρχίαν ἐκτραπείσης κατὰ φύσιν, τοῦ δὲ πλήθους ὀργῇ μετελθόντος τὰς τῶν προεστώτων ἀδικίας, γεννᾶται δῆμος. [10] ἐκ δὲ τῆς τούτου πάλιν ὕβρεως καὶ παρανομίας ἀποπληροῦται σὺν χρόνοις ὀχλοκρατία. (Polybios, Geschichte, 6)
Begriffe sind die Werkzeuge des Denkens. Fehlen sie, fehlt auch die Reflexion. Ochlokratie ist auch zeitgenössisch eine bedeutende Kategorie, deren Gegenstand es, auch in gradueller Ausformung, zu erkennen und abzuwehren gilt.
Leben, praktische Philosophie, Religion
„Himmelbett statt Hostien, Schlemmermenüs statt Abendmahl, Schulsport statt Niederknien, Sparbücher statt Segen – der Umbau von Sakralbauten in Wohnungen, Restaurants, Sporthallen oder Sparkassenfilialen ist ein hochsensibler Markt. Einer, der auch in Deutschland wachsen wird – das ist so sicher wie das Amen am Altar.“ So kann man in der Onlineausgabe der Wirtschaftswoche zu Ostern 2009 über die profane Nutzung von Sakralbauten lesen.
Auch wenn die Inhalte des christlichen Glaubens nicht mehr fundamentalistisch, wörtlich, ohne Zweifel und Kritik angenommen werden können, auch wenn statt dem Christentum die Religion des Massenkonsums und hier besonders die tägliche, stundenlange und gewissenhafte Anbetung des Fernsehers vorherrschend ist und wenn für aufgeklärte Geister die Wissenschaften die Religionen ersetzt haben, auch dann ist mein Empfinden eindeutig für das Religiöse und hier ganz klar für das Katholische und da wiederum für seine gemäßigt konservativer Praxis.
Bei den Möglichkeiten, Himmelbett statt Hostie, bin ich ohne eine Sekunde zu zögern für die Hostie, als dem wirklichen Leib des Gottmenschen Jesus.
Schlemmermenüs erzeugen Übelkeit verglichen mit dem heiligen Abendmahl, bei dem das Kreuzopfer von Mensch und Gott vollzogen wird.
Die Demut des Niederkniens ist weit wichtiger im Leben als sinnfreie Turnübungen, und das Knien im heiligen Raum schließt die körperliche Ertüchtigung nicht nur für Schüler, sondern auch für Vor- und Nachschüler nicht aus. Vielmehr bedeutet das Bibelwort vom Körper als Gottestempel, dass dieser Tempel stark, schön und gesund erhalten werden muss (1.Kor. 6,19).
Der Segen des Vaters oder der Mutter für die Kinder, der Segen eines Menschen für einen Anderen bedeutet eine wohlwollende, beschützende Haltung, die durch das rein finanzielle eines Sparbuches nicht aufgewogen werden kann. Zudem hat man ein Sparbuch meistenfalls für sich selbst, der Segen wird aber einem anderen gespendet, sich selbst zu segnen, so wie man Geld für sich selbst auf sein Sparbuch einzahlt ist unmöglich. So steht der Segen um vieles höher als das Sparbuch.