praktische Philosophie
Das Ganze ist gut und bedarf keiner Rechtfertigung. Die Affirmation ist nur nötig bei Sachen, die noch nicht fest stehen, die noch wanken und umfallen können.
Imgleichen ist die Rechtfertigung nur sinnvoll bei Angreifbarem, das Unangreifbare bedarf ihrer nicht.
Das Sein ist seiend, und wenn man so möchte, ist es damit auch gut.
Wenn aber eine Begründung gegeben wird für etwas, dann auch die Gegengründe und, wo diese falsch sind, ihre Widerlegung, wo diese eine Berechtigung haben, was meistens der Fall ist, wenn sie von vernünftigen Menschen vorgebracht werden, dann ist die Synthese herzustellen, die auch die berechtigte Antithese mit aufnimmt.
These, Antithese und Synthese stellen die Sache umfassend dar. Sie verharren nicht in der Apologie, bleiben nicht bei der bloßen Kritik, sondern führen beides in einem Dritten zusammen.
Wer eine Angelegenheit so behandelt, tut mehr als meist üblich.
Ernährung, Gesundheit
Die Zeit ist unser wertvollstes Gut. Und sie ist geheimnisvoll. Warum verläuft sie nur in eine Richtung? Warum kann man nicht auch wieder in ihr zurückgehen? Im dreidimensionalen Raum ist das möglich, man geht einen Weg hin und dann denselben Weg wieder zurück.
Die Zeitmaschine ist eine Fiktion. Und die Relativitätstheorie hat die „Elastizität“ von Zeit beschrieben und entsprechende Experimente mit Flugzeugen, die sehr genaue Atomuhren mitführten, sind gelungen und konnten die gemachten Annahmen der Relativitätstheorie nicht widerlegen. Hier liegt aber nur eine Verlangsamung, keine Umkehr des Zeitvektors vor.
Die Lebenszeit der Menschen ist, wie bei allen Tieren, begrenzt durch die Gesundheit, Altern und Tod. Die Suche nach der ewigen Jugend, nach einem Aufhalten des Alterns, begleitet die Menschen seit Langem.
Die Bemühungen um Jugendlichkeit sind meist nutzlos, bisweilen aber auch verzweifelt und lächerlich. Das Bedürfnis jünger zu sein oder zumindest jünger zu wirken benutzt eine Industrie, die mit Cremes, Kleidung, chirurgischen Eingriffen, Medikamenten und Sport Jugendlichkeit verspricht.
Vielfach werden die Konsumenten dabei ausgenutzt und sind traurige Opfer skrupelloser Geschäftemacher.
Die einzige gut belegte Methode den Alterungsprozess zu verlangsamen und die Lebenspanne zu verlängern ist die Reduzierung der Kalorienaufnahme um ca. 30 % unter den Normalbedarf. Die Wirksamkeit dieser Intervention ist im Tierversuch sehr gut belegt und die Studien bei Menschen weisen in die gleiche Richtung. Und das Verfahren ist mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Man isst lediglich ca. 30 % weniger als normal. Dabei sollten allerdings die notwendigen Nährstoffe auf natürliche Weise aufgenommen werden. Aber auch das ist nicht schwer, denn mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse nimmt man einmal wenig Kalorien auf und liegt bei den Vitaminen, Mineralien und anderen essenziellen Nährstoffen auf der sicheren Seite.
Somit ist das Geheimnis längeren und gesünderen Lebens gelüftet. Es heißt weniger und gesünder Essen. Maßvolles geistiges und körperliches Training hilft ebenso. All dies ist im Grunde ohne zusätzliche Kosten möglich.
praktische Philosophie
In einer Gemeinschaft gibt es viele erfolgreiche Menschen. Diese sind meist mit der bestehenden sozialen Ordnung zufrieden. Unzufriedenheit kann aber auch bei den Reüssierten angetroffen werden, insofern sie noch weiter aufsteigen wollen. Diese Unzufriedenheit kann mit sich selbst bestehen oder mit sehr eingegrenzten Strukturen der jeweiligen Arbeitswelt, Familie usw., ist in der Regel aber nicht auf das „ganze System“ bezogen.
Wenn die Auswahlkriterien für Erfolg wirkliche Stärken sind, dann sind die Starken zufrieden und glücklich.
Die Schwachen aber, die „Zukurzgekommenen“ sind unzufrieden. Sie kritisieren die bestehende Sozietät. Die Kritik kommt politisch gesehen von links oder rechts. Und sie wird darauf zielen, die herrschenden Eliten als ungeeignet zu kennzeichnen.
Das Argumentationsmuster sieht folgendermaßen aus:
Die Erfolgreichen haben ihren Erfolg nicht wirklicher Stärke zu verdanken. Sie sind nicht deswegen erfolgreich, weil sie z. B. tüchtig, fleißig, tapfer, unternehmerisch, geschickt, schnell, kommunikativ … sind.
Vielmehr fehlen ihnen die wahren Stärken und sie sind an der Spitze, weil sie verwerfliche Eigenschaften besitzen und sich übler Praktiken bedienen. Sie sind, dieser Argumentation zufolge, ehrgeizig, korrupt, gierig, verbrecherisch, faul, schleimig, prinzipienlos, ausbeuterisch und mafiös.
Die Kritiker dagegen beanspruchen für sich, als fiktiv konkurrierende Elite, dass sie positiv bewertete Stärken besitzen und somit die eigentliche, wirkliche führende Schicht bilden würden, wenn es mit rechten Dingen zuginge. Und dafür zu sorgen, dass es mit rechten Dingen zugeht, ist ihr Ziel. Sie, die Gesellschaftskritiker, wollen die wahren Werte zur Geltung bringen und dann, weil sie diese Werte besitzen, zur rechtmäßigen Führung aufsteigen.
Dieses Muster findet man sowohl links wie rechts der Mitte.
Was aber sind, jenseits der Apologie der Erfolgreichen und andererseits ohne die Verdrehungen und moralischen Wolkenkuckucksheime der Gescheiterten, die legitimen Maßstäbe zur Bewertung einer Gemeinschaft?
Sollte man eine Gesellschaft nur an ihren eigenen Werten und Maßstäben messen? Und, wenn andere externe Kriterien legitim wären, welche Kriterien zur Bewertung einer Sozietät wären das, und wie wären sie legitimiert?
Bildet das sogenannte Naturrecht, das ohne menschliche Setzung und Tradition bestehen soll, einen Maßstab? Das Naturrecht wäre nach Auffassung der katholischen Kirche von Gott gegeben. Da diese Kirche das Gottesgnadentum mit dem Naturrecht verband und dann in demokratischen Zeiten diese Verbindung wieder auflöste, ist Skepsis angebracht.
Auch der normative Libertarianismus gründet in einem behaupteten Naturrecht auf Eigentum, vornehmlich auf Eigentum an einem selbst. Auch diese Auffassung ist historisch gewachsen und keine natürliche Setzung, was allerdings zu begründen ich hier schuldig bleibe.
Ein populärer Maßstab sind die Menschen- und Grundrechte. Und da nach meiner Auffassung nichts Besseres zu haben ist, dürfte es legitim sein diesen Maßstab zu gebrauchen und den Missbrauch der Menschenrechte zu kritisieren und wo möglich zu hindern. Es kann sogar eine Pflicht sein, Verstöße gegen die Menschen- und Grundrechte zu bekämpfen.
Ökonomie, Wissenschaft
Ein alter Physiklehrer an der Universität Würzburg erzählte in einer einführenden Veranstaltung über Fehlerrechnung die Geschichte mit den Namen. Wenn in der Wissenschaft etwas mit einem Namen bezeichnet wird, wäre es verdächtig. Wenn dazu noch andere konkurrierende Theorien oder Hypothesen mit anderen Namen von Personen bezeichnet werden, ist an der Sache etwas noch nicht hinreichend geklärt.
Eine gut gesicherte Standardtheorie benötigt keine Namen von Forschern zu ihrer Bezeichnung.
In der Marktwirtschaft ist das anders. Hier betont jeder seine Einzigartigkeit, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Marke wird wichtig und die Unterschiede werden betont, auch wenn sie der Sache nach gar nicht so groß sind oder überhaupt nicht bestehen. Hier findet eine Fehlinformation der potenziellen Kunden statt, um den Verkauf zu fördern. Das gilt von Waschmitteln bis hin zu Unternehmensberatern, von Fluglinien bis zur Babynahrung.
praktische Philosophie
Die Demokratie gilt fraglos als die beste Staatsform. Sie bedeutet die Herrschaft des Volkes. Das aus dem antiken Griechisch stammende Wort Δημοκρατία setzt sich zusammen aus δήμος [démos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“.
Herrschaft bestimmt sich durch den Unterschied von denen, die herrschen und denen, die beherrscht werden. Wenn alle herrschen, herrscht niemand. Somit wäre die Herrschaft des gesamten Volkes gar keine Herrschaft.
Wenn tatsächlich aber geherrscht wird, dann tut nicht jeder was er will, sondern die Herrscher setzen ihren Willen durch und die Beherrschten müssen Dinge tun, die sie selbst nicht wollen. Das ist für die Beherrschten nicht immer angenehm. Und so kann es kommen, dass sich die Beherrschten gegen die Herrscher zur Wehr setzen.
Die Herrscher werden dagegen Maßnahmen ergreifen. Eine Strategie kann sein, die Herrschaft zu verschleiern. Man kann im Sinne der Demokratie argumentieren, dass das Volk ja selbst herrscht und somit nicht dem fremden Willen eines Herrschers folgt, sondern das Volk handelt in einer Demokratie nach seinem eigenen Willen. Eine Rebellion gegen seinen eigenen Willen wäre sinnlos.