Archive for March, 2009

schubladen

Tuesday, March 31st, 2009

Schubladen, Etiketten, Begriffe können kennzeichnen. So gilt ein Mensch als konservativ, als freundlich u.s.w..

Genauer betrachtet, zu verschiedenen Zeiten in differenten Zusammenhängen, zeigen sich meist unregelmäßige Grenzen, Verwischungen und Verschiebungen.

Ein Konservativer lebt eher wie ein Sozialist und umgekehrt. Ein freundlicher Mann ist als Vorgesetzter verletzend und taktlos. Und ein dummer Mensch ist bisweilen sehr klug und vice versa.

Ich denke, das eigene Leben und das unserer Mitmenschen ist zu kurz und zu wertvoll, als dass man sich in Schubladen zwängen sollte oder dass man sich Kategorien überstülpen lässt. Niemand sollte einem Klischee entsprechen wollen oder müssen.

Freiheit, Kreativität, Individualität und schöpferischer Gemeinsinn und Bereitschaft zur Gestaltung von Veränderungen und die Annahme der Komplexität des Lebens stehen gegen das Einkasteln und Schwarz-Weiß-Malen.

Und dennoch ist ein Leben ganz ohne Kommoden mit ihren Schubfächern auch nicht ideal. Man braucht sie, die Begriffe, eingedenk, dass sie nicht umfassend, nicht ewig und oft grob vereinfachend sind.

zucht

Monday, March 30th, 2009

Sich selbst in die Zucht nehmen, unablässig, ohne Ausnahmen, lässt einen erst zum guten Erzieher werden.

Wer sich selbst nicht im Griff hat, der bekommt auch seine Zöglinge nicht zu fassen, dem fehlt überzeugende Autorität.

Selbstzucht und Zucht bei anderen sind dringend nötig und ein Wall, schützend vor einer ausufernden Bequemlichkeit, einem allgemeinen sich Gehenlassen.

  • Haltung, ohne jemals in einen Verlust derselben abzugleiten
  • Disziplin, zunächst und am härtesten gegen sich selbst
  • Unbeugsamkeit gegen Widrigkeiten
  • Abhärtung und Stärke gegen allgemeine Verweichlichung im Zerfall
  • Eine Gegenbewegung zur “Verhausschweinung der Menschen” (Konrad Lorenz)

haare

Sunday, March 29th, 2009

Herr K. dachte: nie wieder Friseur, nie wieder rasieren.

Friseurbesuche kosten Zeit, Geld, führen zu juckenden Härchen am Hals und im Gesicht und das Risiko sich danach zu erkälten steigt.

Rasieren verletzt die Haut und man verliert gerade morgens wertvolle Minuten. Außerdem schützen Haare.

Also, Levitikus 19,27 und zwar endgültig.

Dann aber besann sich Herr K.. Er lebte gut zweieinhalb Jahrtausende später. Die Zeiten hatten sich verändert, nicht immer zum Besseren. Wir leben mit einem vielfachen atomaren overkill und in wirtschaftlich und politisch unsicheren Zeiten. Im Kleinen macht man es sich bequem und sieht weg, dachte Herr K..

Ihr sollt euer Kopfhaar nicht rundum abschneiden. Du sollst deinen Bart nicht stutzen.

לֹא תַקִּפוּ פְּאַת רֹאשְׁכֶם וְלֹא תַשְׁחִית אֵת פְּאַת זְקָנֶךָ׃

innovation

Saturday, March 28th, 2009

Neuerungen sind teilweise höchst nützlich. Nichts gegen diese. Aber Manches wird nur verändert, um den Absatz zu fördern. Der gefräßige Molloch des Kapitals braucht frisches Fleisch, benötigt Moden und Wechsel.

Diese Form der Innovation ist kulturfeindlich, weil sie das Tradierte über den Haufen wirft, nicht weil es schlechter wäre, sondern weil es den Verkauf neuer Produkte behindert.

zuverlässigkeit

Friday, March 27th, 2009

Ethik kreist unter anderem um Zuverlässigkeit, die für Verhaltensnormen erreicht werden soll. Nicht von der jeweiligen Opportunität abhängig, sondern möglichst verlässlich soll moralisches Handeln sein.

Nur, wer weiß noch etwas von Moral und deren Theorie, der Ethik?

Anstrengungen werden vermieden, der sofortige Lustgewinn wird gesucht. In der Wirtschaft zielt man auf Effizienz in dem Sinne:

  • Maximaler Gewinn bei minimalem Einsatz
  • wenig arbeiten und möglichst viel dabei verdienen
  • seine Kunden und Zulieferer, ja alle wirtschaftlich mit einem verbundenen Menschen, zum eigenen Vorteil zu ge- und missbrauchen, ohne dass jemand einen Verdacht schöpft und etwas davon merkt
  • vielmehr geriert man sich nach außen als Wohltäter, zeigt dabei seinen wirklichen oder vorgespielten Erfolg und präsentiert sich in menschenfreundlichem Licht
Wann wachen die Anständigen auf, wann toleriert die Gemeinschaft nicht mehr das Schmarotzertum, wann müssen zur Strafe die wirklichen Asozialen einmal harte, lange und produktive (Zwangs- und Straf-) Arbeit leisten?

berufskonservativ

Thursday, March 26th, 2009

Berufskonservative Jouranlisten und Schriftsteller haben etwas Widersprüchliches an sich. Sie sind nicht glaubwürdig.

Der konservative Mensch ist bodenständig und tief in dem Hergebrachten verwurzelt. Er denkt nicht, dass die Gegenwart gut sei, sondern dass die meisten der vorgeschlagenen Verbesserungen alles nur noch schlimmer manchen würden.

Änderungsphantasien, Reformen und Revolutionen, kommen zudem am ehesten von Menschen, die aus Schwäche sich im Bestehenden nicht zurecht finden, deren Unzulänglichkeiten zur Unzufriedenheit führen. Zudem wollen Neuerer Machtpositionen ergattern, die sie im gegenwärtigen Zustand nicht erlangen können, für die sie unter den jetzigen Umständen zu schwach sind.

Der wirklich konservative Mensch ist kein Theoretiker, sondern ein Praktiker. Er handelt, er macht seine Sache so gut wie es eben geht und nutzt dabei die Erfahrungen und die Vorzüge der Tradition.

Der Theoretiker steht dem fern. Er schaut zu und ist zum Handeln oft nicht stark und gut genug. Und er weiß alles besser. So wird er zum Schreiber, zum Intellektuellen und in einem Oxymoron bisweilen zum konservativen Intellektuellen.