Archive for April, 2009

erklären

Wednesday, April 29th, 2009

Das Alles glauben erklären zu können, der naive Naturalismus, der nur die von ihm für innerweltlich gehaltenen Explikationen anerkennt, wird sich verwundert die Augen reiben im Angesicht des Geheimnisvollen, des Übermächtigen der Naturwissenschaften.

In den weit von unseren Lebenswelten entfernten Räumen dieser Theorien begegnet das Ganz Andere, nicht nur als nebelhafte Vorstellung von etwas jenseits unseren Alltagshorizontes, sondern das Ganz Andere ist exakt, beschreibt seine Folgen, bestimmt was unter der Annahme des jeweiligen Modelles messbar sein sollte und macht Voraussagen, die, wenn sie nicht zutreffen, das Modell in den Papierkorb wandern lassen, weil es unbrauchbar ist.

Ich kann mir nicht helfen, aber die Wissenschaften haben mindestens so viele religiöse Momente, wie die heilige katholische Kirche.

wahl

Saturday, April 25th, 2009

Wilfried Fritz Pareto, oder italienisch, Vilfredo Pareto, interpretierte die Geschichte der Menschen als Wechsel der herrschenden Eliten, als Fiedhof der führenden Gruppen.

Möchte man wirklich die Besten, die eigentliche Aristokratie, an der Spitze einer Gesellschaft wissen, so darf diese Elite nicht selbst ernannt sein und die Macht usurpieren, sondern sie muss sich bei Wahlen anderen konkurrierenden Eliten stellen. Und auch nach den Wahlen darf der Wettbewerb um die besten Lösungen nicht enden, vielmehr muss er fair und frei ausgetragen werden können. Das zeigt, dass wirkliche Demokratie eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung dafür ist, dass die Besten herrschen und zwar kontrolliert, auf Zeit und der freien Konkurrenz ausgesetzt.

Wer dagegen, wie in einer Diktatur, die Opposition ausschaltet, zeigt Schwäche, traut sich nicht zu, im fairen Kampf zu siegen.

stundengebet

Sunday, April 19th, 2009

Nicht dass ich selbst das Stundengebet einhalten würde, dazu bin ich zu ungläubig, zu sehr Agnostiker. Aber die Ordnung beeindruckt mich und ich finde sie  gut.

Wie alle strengen Formen nämlich, die der Bequemlichkeit entgegenstehen, ordnet das Stundengebet den Tag und steigert die Kräfte der Menschen.
Es soll ordnen und ausrichten jedoch nicht zu viel Zeit und Kraft absorbieren.
Hier gilt es, das rechte Maß zu finden, zwischen einem zu wenig an Ritus, an Ordnung und religiöser Disziplin und andererseits einer Übertreibung der (frommen) Praxis, bei der andere Lebensäußerungen zu kurz kommen.
Mathematisch ausgedrückt ist das ein Optimierungsproblem.
Wird zu wenig gebetet, kann diese Laxheit auch sonst zu Faulheit, Schlendrian und Unordnung führen. Betet man dagegen zu viel, führt das in ähnlicher Weise zu einer Vernachlässigung wichtiger Dinge, wie der Erwerbsarbeit, dem Austausch mit Menschen und hier besonders der Familie. Aber auch die Zeit für Sport, Lesen, Musik, Schreiben usw. wird durch zu viel Beten unmäßig verkürzt.

kirchenkunst

Saturday, April 18th, 2009

Die religiöse Kunst zeigt wie es heute um das Christentum steht. Die religiöse Kunst ist größtenteils keine, sie ist Verfallsform, weit entfernt von der gothischen Kathedrale und den Fresken Michelangelos.
Heute findet kirchliche Kunst als ein Nachäffen moderner Strömungen und Stilrichtungen statt oder nur noch als Kitsch.
Der im Grunde fehlende wirkliche Glaube tritt in Erscheinung als Stümperei im Ästhetischen, als fehlende geistige Durchdringung, als handwerklicher Mangel und als schlichte Geschmacklosigkeit.

geschert

Saturday, April 18th, 2009

Das Rasieren, das Scheren war früher Zeichen der „Häuslinge“, die ihr Leben in Abhängigkeit auf einem Bauernhof verbringen mussten und nicht heiraten durften.

Bei mir selbst erzeugt die Rasur ein Wundsein der Haut. Auch der Haarschnitt führt meist zu einer leichten Erkältung, woran man sieht, dass Haare schützen, nicht nur vor Kälte, auch vor Hitze, man bedenke die Gefahr starker Sonneneinstrahlung für einen Glatzkopf. Haare schützen auch vor Wind, Feuchtigkeit und kleinen Verletzungen.

Also, warum sollte man wie ein Gescherter herumlaufen? Der frei Mann trug zumindest früher langes Haar und einen Bart.

Und nicht zuletzt haben wir im christlich geprägten Abendland ein Bild des Erlösers, das selten ohne Bart und langes Haupthaar ist.

arbeiterkunst

Saturday, April 18th, 2009

Was mich zunächst doch immer wieder wundert, ist das Fehlen der normalen Arbeitswelt als Sujet der Kunst, wie auch der Unterhaltungsbranche.

Die Heldinnen und Helden tun alles Mögliche, nur sie werden nicht ausführlich bei einer ganz normalen Erwerbstätigkeit dargestellt. Und die Arbeit ist es doch, die einen großen Teil des Alltags bei den meisten Erwachsenen ausmacht. Warum ist sie dann nicht Thema in Kunst, Kultur und Unterhaltung?

Ist die Arbeit zu unangenehm? Ich denke nicht. Und zudem sind viele Themen der hohen und trivialen Kunst nicht angenehm. Es geht um Verbrechen, Krieg, Krisen und viellerlei mehr Konflikte und Probleme. Nur der Arbeitsalltag beleibt ausgespart. Er ist der weiße Fleck auf der Landkarte der Kunst, die terra incognita.

Ist der Alltag überhaupt „kunstfähig“, bedarf es für die Kunst außeralltäglicher, besonderer und spannender Ereignisse, die uns gerade aus dem Alltäglichen herausführen?

Wohl kaum, denn Kunst ist nicht so sehr am Inhalt, wie an der Form, an der gelungenen Art und Weise der Darstellung festzumachen. Und die Vielschichtigkeit der Arbeitswelt böte bei genauer Betrachtung genügend Stoff.

Außergewöhnliche Ereignisse passieren auch im Erwerbsleben und zudem sollte Kunst nicht im Sinne der Flucht, des Eskapismus aus dem Leben heraus führen, vielmehr sollte sie, wenn auch bisweilen über Umwege, das Verständnis für unser Leben bereichern und somit weiter in unser Leben hineinführen.

Kunst ist in einem leicht hinterhältigen Sinn eine „Einführung ins Leben“.

Diese Formulierung, z. B. „Einführung in die Algebra“, lässt nämlich zunächst ein unschuldiges und langsames Heranführen an die Sache vermuten. Aber hinter diesen harmlos und propädeutisch wirkenden Titeln verbirgt sich dann in der Tat, zumindest bei wissenschaftlichen Lehrbüchern, die ganze Thematik selbst und nicht nur ein behutsames Hinführen.

In diesem Sinne, der Darstellung des Ganzen, ist die Kunst, auch erzieherisch für alle Altersgruppen eine Einführung ins Leben. Sie ist nicht und soll nicht eine Wegführung vom Leben sein. Eine Flucht aus der Lebenswelt ist nicht Kunst, sondern Kitsch, ist nicht eine Klärung des Verständnisses der Realität, sondern Eskapismus, ist Verneblung, ist Droge, ist Flucht aus der Wirklichkeit.

Somit gilt der Appell und das Ziel: hinein ins Leben, hinein in die Arbeit und hinein in die künstlerische Darstellung der Arbeitswelt.

Ein Hürde mag sein, dass Künstler keiner üblichen Erwerbsarbeit nachgehen. Sie benötigen die Zeit, die „Muße“ für die Kunst. Aber darin besteht die Forderung an wirkliche Kunst, sich in das Hineinzuversetzen, was man selbst nicht authentisch erlebt hat, nicht nur Autobiographisches hervor zu bringen, nicht im Stil eines Tagebuches zu verharren, es sei denn das Tagebuch wird von einer ganz anderen Person geschrieben, und es handelt sich somit nicht um eine authentisches, sondern um ein fiktives Journal.