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Ad Reinhard 1960-66

Ad Reinhard 1960-66
Wenn die deutsche Lyrik in helle und dunkle Gestalten unterteilt wird, dann geht meine Neigung zu beiden Seiten, zu Hölderlin wie auch zu Goethe, zu Rilke und auch zu Brecht. In der klassischen Philosophie allerdings faszinieren mich Πλάτων und Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος mehr als Ἀριστoτέλης und die Folgen.
Das Dunkle, das Rätsel, das Geheimnis regt zum Denken und Forschen an und ist in dieser Weise dem Klaren und endgültig Formulierten voraus.
Waren die politischen Moden der Hippiegeneration durch eine Feindschaft gegen den Kapitalisten und seine Geschäftswelt geprägt, so schwang das Pendel der fashion fads spätestens seit den 80er Jahren in die Gegenrichtung. Gewinnstreben war cool, die geschäftsmäßige Ausrichtung auf immer höhere Profite als alleiniges Interesse war en vogue.
So dumm die eine Haltung, so töricht war die andere.
Richtig ist dagegen das moralisch anständige Leben in der Gemeinschaft, das Zusammenhalten und -arbeiten, und richtig ist, wie Platon in der πολιτεία schreibt, dass jeder ein hinreichendes und seinen Leistungen entsprechendes Einkommen verdient.
Ausstellungspavillon des Deutschen Reichs auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona
Architekt war Ludwig Mies van der Rohe

Gegen den Minimalismus und Reduktionismus der Moderne stellt sich die überschießende Verschwendung in Ornamenten, in Kraft und Gestaltung. Das zunächst Sinnlose, das Unwirtschaftliche, Überflüssige und Überfließende, der demonstrative Konsum, wie ihn Thorstein Bunde Veblen erklärte, Luxus und Pracht sind die Gegenmomente.
Als Zeichen von Macht, hier besonders als Werbung um Fortpflanzungspartner und als Rangzeichen der Gemeinschaften, erfüllt das sinnlos Verschwenderische seinen Sinn.
Nietsche hat die überschießende Kraftentfaltung vielfach beschrieben, ihren evolutionsbiologischen Sinn aber nicht in dem heute möglichen Grad erfasst.
Besonders fein gibt sich der Überfluss als luxuriöser Minimalismus, als Beschränkung auf das Notwendigste in seiner wertvollsten Gestalt. Oskar Wilde prägte das Bonmot, er sei bescheiden und wolle nur das Beste.