leisten

Nonkonformismus kann sich nicht jeder leisten. Wo der Anpassungsdruck groß ist, sind die Menschen eher uniform. Diese Einsicht formulierte Platon in der Politeia. Erst wenn jemand sehr sicher im Sattel sitzt oder wenn er auf der anderen Seite nichts mehr zu verlieren hat, dann könnte er zur Exzentrik, zur unangepassten Individualität neigen. Angabe kann damit auch verbunden sein, in dem Sinne, dass man sich ohne Grund so arriviert gibt, als habe man die Befolgung der Konventionen nicht mehr nötig, als könne man sich eine gewisse Freiheit leisten.

Eine Scheinform des Exzentrikers ist der „Kreative“, der auch wieder einer strengen Norm des Unangepasstseins in erschreckender Phantasielosigkeit und einem beträchtlichen Gruppenzwang folgt.

texte

Neben der Einteilung von fiktionalen und nicht-fiktionalen, realen Texten finde ich die Einteilung in wissenschaftliche, allgemeine, abstrakte und auf der anderen Seite konkrete, künstlerische Texte sinnvoll.

Ein künstlerischer Text, ein Stück Literatur, muss nicht fiktional sein und ob eine wissenschaflticher Text fiktionale Züge aufweist, entscheidet unter anderem die Geschichte und die kritische Diskussion.

schriftsteller

Es ist nett wie zeitgenössische deutsche Schriftsteller zu gut schreiben. Sie überschlagen sich mit Bildern, überfluten den Leser mit wohl geübten Stilmitteln. Es ist eine Schwemme an Konkretem, Kontingentem und ein Mangel an sparsam gekonntem Einsatz, dem sicheren Beherrschen des Handwerkes, das selbstbewußt verhalten sein will.

Dagegen ergießt man sich nach dem Willen der Lektoren und dem Stilvorbild aus Kursen über kreatives Schreiben.

Es ist wie beim Essen, Gutes macht rasch satt, das Mittelmäßige führt zum Übermaß und Überdruß.

aufgabe

Vorausgesetzt ein würdiges Ziel, ist es entscheidend, im Moment der Schwierigkeit, und der auf diesen bezogenen Schwäche, den Weg fortzusetzen.

An dieser Stelle zwischen Aufgeben und Weitermachen entscheidet sich Alles. Hier steigern sich Kräfte und Fähigkeiten oder gehen verloren.

Scheitern wäre ehrenvoll, ausweichen, schlapp machen, schändlich, Gelingen führte zum Ruhm.

adel

Wir leben in einer aristokratischen Gesellschaft. Man bemerkt es nicht auf den ersten Blick, sondern muss sich die Augen reiben, zum Beispiel an einem Freitag Abend nach einer sehr anstrengenden Woche. Dann kann man sehen, dass es trotz aller demokratischen Gleichheitsideen immer noch, oder schon wieder, die Unterscheidung der Menschen in Herren und Knechte gibt.

Die Herren haben es nicht nötig zu arbeiten, bestenfalls müssen sie an irgendwelchen Schreibtischen Geschäftigkeit mit bürokratischem Firlefanz simulieren, die Herren erhalten arbeitslose Einkommen als „Transferleistungen“ oder lassen ihr Geld für sich arbeiten.

Und die Knechte müssen produktiv sein, müssen den gesellschaftlichen Reichtum, der immer und überall an menschliche Arbeit gebunden ist, herstellen.

Die Arbeit wird von den Knechten verrichtet, die Früchte der Arbeit werden von den Herren genossen. Die einen sind abgeschafft, die anderen grinsen frisch aus der manchmal feinen, bisweilen auch schäbigen Wäsche.