rationale ethik

Eine rational begründete Moral ist gefährlich.

Immer lassen sich Gründe und Argumente gegen ein sittliches Gebot finden. Die Spitzfindigkeiten nehmen kein Ende.

Die Sofisten spüren Schleichwege auf, um an unbequemen Haltungen und Konsequenzen vorbei zu lavieren.

Man redet sich sozusagen heraus und macht es sich bequem in willkürlichen Argumentationsfetzen.

Was könnte man dagegen anführen?

  • einmal die Religion, eine religiöse Haltung
  • die Tradition, das Bewährte, das allerdings auch heute bestehen können muss
  • die Ästhetik, das Schöne, bietet auch moralische und außerrationale Kriterien

schubladen

Schubladen, Etiketten, Begriffe können kennzeichnen. So gilt ein Mensch als konservativ, als freundlich u.s.w..

Genauer betrachtet, zu verschiedenen Zeiten in differenten Zusammenhängen, zeigen sich meist unregelmäßige Grenzen, Verwischungen und Verschiebungen.

Ein Konservativer lebt eher wie ein Sozialist und umgekehrt. Ein freundlicher Mann ist als Vorgesetzter verletzend und taktlos. Und ein dummer Mensch ist bisweilen sehr klug und vice versa.

Ich denke, das eigene Leben und das unserer Mitmenschen ist zu kurz und zu wertvoll, als dass man sich in Schubladen zwängen sollte oder dass man sich Kategorien überstülpen lässt. Niemand sollte einem Klischee entsprechen wollen oder müssen.

Freiheit, Kreativität, Individualität und schöpferischer Gemeinsinn und Bereitschaft zur Gestaltung von Veränderungen und die Annahme der Komplexität des Lebens stehen gegen das Einkasteln und Schwarz-Weiß-Malen.

Und dennoch ist ein Leben ganz ohne Kommoden mit ihren Schubfächern auch nicht ideal. Man braucht sie, die Begriffe, eingedenk, dass sie nicht umfassend, nicht ewig und oft grob vereinfachend sind.

zucht

Sich selbst in die Zucht nehmen, unablässig, ohne Ausnahmen, lässt einen erst zum guten Erzieher werden.

Wer sich selbst nicht im Griff hat, der bekommt auch seine Zöglinge nicht zu fassen, dem fehlt überzeugende Autorität.

Selbstzucht und Zucht bei anderen sind dringend nötig und ein Wall, schützend vor einer ausufernden Bequemlichkeit, einem allgemeinen sich Gehenlassen.

  • Haltung, ohne jemals in einen Verlust derselben abzugleiten
  • Disziplin, zunächst und am härtesten gegen sich selbst
  • Unbeugsamkeit gegen Widrigkeiten
  • Abhärtung und Stärke gegen allgemeine Verweichlichung im Zerfall
  • Eine Gegenbewegung zur „Verhausschweinung der Menschen“ (Konrad Lorenz)

haare

Herr K. dachte: nie wieder Friseur, nie wieder rasieren.

Friseurbesuche kosten Zeit, Geld, führen zu juckenden Härchen am Hals und im Gesicht und das Risiko sich danach zu erkälten steigt.

Rasieren verletzt die Haut und man verliert gerade morgens wertvolle Minuten. Außerdem schützen Haare.

Also, Levitikus 19,27 und zwar endgültig.

Dann aber besann sich Herr K.. Er lebte gut zweieinhalb Jahrtausende später. Die Zeiten hatten sich verändert, nicht immer zum Besseren. Wir leben mit einem vielfachen atomaren overkill und in wirtschaftlich und politisch unsicheren Zeiten. Im Kleinen macht man es sich bequem und sieht weg, dachte Herr K..

Ihr sollt euer Kopfhaar nicht rundum abschneiden. Du sollst deinen Bart nicht stutzen.

לֹא תַקִּפוּ פְּאַת רֹאשְׁכֶם וְלֹא תַשְׁחִית אֵת פְּאַת זְקָנֶךָ׃

innovation

Neuerungen sind teilweise höchst nützlich. Nichts gegen diese. Aber Manches wird nur verändert, um den Absatz zu fördern. Der gefräßige Molloch des Kapitals braucht frisches Fleisch, benötigt Moden und Wechsel.

Diese Form der Innovation ist kulturfeindlich, weil sie das Tradierte über den Haufen wirft, nicht weil es schlechter wäre, sondern weil es den Verkauf neuer Produkte behindert.