irrational

Im konservativen Denken ist es durchaus üblich, sich auf das Irrationale, das Außerrationale, das Nichtbegründbare zu berufen. Nur ist es oft auch sinnvoll die Rationalität so weit zu treiben, wie sie trägt und dann das Außerrationale zu konstatieren. Die rationale Gestaltung des Außerrationalen ist sehr kurz gefasst, es ist das „trans“ und fertig. Es darf nicht zur Bequemlichkeit werden, die Nachdenken erspart.

reisen

Kant reiste nie und blieb zeitlebens in Königsberg. Hegel stellte sich schrecklich an und wollte ebenso nicht verreisen. Selbst Goethe, der umfangreichere Reisen unternahm, kehrte nach einem Kutschenunfall während seines letzten Reiseversuchs um und fuhr wieder nach Hause. Heidegger reiste wenig und besuchte erst spät Griechenland, auf das er sich philosophisch oft bezog. Und Nicolás Gómez Dávila blieb sein Leben lang, Jugendjahre in Paris ausgenommen, in Bogota.

Reisen mag bilden, aber offenbar nicht philosophisch. Die denkenden Autisten interessieren sich nicht für die vorüberziehenden Landschaften, die wechselnden Eindrücke von Menschen und Lebensverhältnissen. Sie lockt nicht die erotische Aussicht im Fremden. Der Überfluss an Mannigfaltigkeit im sinnlich Konkreten ist ihnen eher langweilig und sie werden statt dessen angezogen von den Höhen der Abstraktion.

schlecht

Die Klage, so lautet ein Topos, über schlechte Manieren ist ein Teil derselben. Und auch die Bemühung um Stil und Umgangsformen zeigt einen Mangel.

Zudem ist Ehrgeiz verbreitet und ein Schielen nach höherem Rang und dessen Zeichen.

Wie wäre es dagegen sich eine Rangstufe nach unten zu orientieren, sozusagen als Gegengift für falsches Prestigestreben.

Noch besser wäre die sichere Einnahme des wirklichen Ranges mit allen Zeichen und Selbstverständlichkeiten. In einer durch den Wechsel der Moden bewegten Zivilisation ist allerdings die Sicherheit verloren gegangen, den rechten Platz in der Gemeinschaft zu treffen.

Und die Verschleierung der wirklichen Herrschaft durch eine Gleichheitsideologie macht das Denken und Handeln in Rangordnungen unpopulär.

Doch auch hier zerbrechen an der Wirklichkeit Ideologien und die Lüge von der Gleichheit entlarvt sich durch die Gleicheren unter den Gleichen.

Natürlich unter den Menschen sind unterschiedliche Ränge an Kraft, Schönheit, Weisheit, gesellschaftlicher Stellung, Autorität …

gemurmel

Wer sich mit einem alten Weib, das in einem Winkel der Kirche seine Gebete murmelt, vergleicht, ist anmaßend.

Als Glied des Körpers Christi ist die alte Frau nach der Trinitätslehre ein Teil Christi und dadurch ein Teil Gottes. Und als Teil Gottes ist sie allmächtig, ewig, allgütig, allwissend und alles durchdringend, erschaffend und erhaltend.

Der nur auf den ersten, flüchtigen Blick einem understatement ähnelnde Vergleich, ist bei genauem Hinsehen die schlichte Feststellung, in aller Frömmigkeit, ein Teil Gottes und damit Eins mit dem Allmächtigen zu sein.

Wenn das zutrifft, und in der Gotteskindschaft der Katholiken wird es so bedacht, und wir wollen es glauben, dann ist diese Anmaßung gerecht und maßvoll.

Der Vergleich ist angemessen, seine Bedeutung nicht sofort offensichtlich aber nun klar.

noten

Es sind die jeweiligen, üblichen, bestehenden Gebote, Gesetze und anerkannten Maximen zu befolgen. Aber das mit Augenmaß, ohne Über- und Untertreibungen, weder mit Nachlässigkeit, noch überkorrekt, weder pharisäerhaft noch allzu lässig. Die Befolgung bewegt sich im Rahmen des Üblichen, des anerkanntermaßen Schicklichen und der guten Sitten. Hierbei werden die dem wirklichen, nicht dem angemaßten, Rang entsprechenden Regeln genommen. Diese am Rang orientierten Handlungsmaximen sind ein wesentlicher Unterschied zwischen der konservativen und einer egalitären, sozialdemokratischen Weltanschauung.
Das Bestehende hat, besonders wenn es schon lange da ist, den Vorteil der Bewährung. Bei Neuem muss es sich erst noch zeigen, ob es in der Wirklichkeit etwas taugt. Die Vernunft kann zwar leicht Vorstellungen produzieren und sich allerhand Veränderungen ausdenken, die dem Gedanken nach Vorteile versprechen. Nur die Wirklichkeit ist endlos komplexer und kann durch Vorstellen nur unvollständig und fehlerhaft erfasst werden. Und Neuerungen, die als Ideen Vorzüge gegenüber dem Wirklichen haben, können, wenn man sie denn überhaupt in der Wirklichkeit umsetzen kann, zu katastrophalen Verschlechterungen, verglichen mit dem Bisherigen, führen.
Wenn sich die Verhältnisse ändern und das Hergebrachte und die Tradition nicht mehr zu taugen scheinen, dann sollte ruhig in der Vergangenheit zunächst einmal nach bewährten, bisweilen fast vergessenen, Lösungen für ähnliche Probleme gesucht werden. Und wenn wirklich etwas Neues notwendig ist, dann ist es eine Frage der Klugheit, des Augenmaßes, dieses Neue behutsam, vorsichtig und in möglichst kleinen Schritten auszuprobieren und erst nach tatsächlichen Erfolgen in der Realität und nicht nur in der Vorstellung oder auf dem Papier, eine Verwirklichung im größeren Maßstab zu wagen.